Carretera Austral

Zwei Fahrräder am Ende der Welt und eine Traumstrasse am Rande des patagonischen Inlandeises. Tausend Kilometer Abenteuer zwischen Regenwald und Gletschern, stillen Fiorden und sprudelnden Bächen auf dem einzigen Weg in Chiles Süden - der Carretera Austral.

Was als Prestigeprojekt des Diktators Pinochet begann und den Norden Patagoniens für Versorgungslastwagen erschliessen sollte, verschlingt mit seinem Ausbau zur schwerverkehrstauglichen Strasse noch heute Millionen in der chilenischen Staatskasse. Obwohl der Asphalt um die Distrikthaupstadt Coihaique zunimmt und bereits fast alle Holzstege durch Betonbrücken ersetzt worden sind, bleibt die Carretera mit Fährpassagen und zum Teil kurvenreicher Streckenführung vorerst was sie ist: Keine Fernverkehrsstrasse, sondern eine Strasse, die Fernweh weckt – seit einigen Tagen unser Weg.

Nur noch der Brückennamen am Ortseingang des in einer malerischen Bucht gelegenen Puyuhuapi deutet auf seinen deutschen Ursprung hin: Hoperdietzel! Was bei den Chilenen, die hier abgeschieden in ihren kleinen, von Zypressenschindeln bedeckten Häusern leben sicher längst der Vergangenheit angehört, ist für uns topaktuell: Hoperdietzel, höchst passend für die Schütteltour auf dieser Schotterstrasse. Obwohl der Belag oft eine besondere Herausforderung darstellt, zahlt sich doch jeder der anstrengenden Kilometer doppelt aus. Gerade noch zweifeln wir, ob wir jetzt wirklich einem Meeresarm entlangfahren, der sich hier ins bewaldete Tal schmiegt, da tauchen auch schon die Rückenflossen von Delfinen aus dem spiegelglatten Wasser. Eine ganze Zeitlang radeln wir mit ihnen um die Wette, bis die Strasse in ein Seitental einbiegt und sich die Tiere unserem Blick entziehen. Von nun an steigen wir in satten Kurven zum Portezuelo Quelat auf, immer mit Ausblick auf die weissen Spitzen der Zweitausender, welche den Hängegletscher Ventisquero Colgante nähren. Beim Parkeingang der Sehenswürdigkeit haben wir am Vorabend durch einen Ranger den Geheimtipp zum Sendero al Nacimiento del Rio Cascada erhalten, der kurz nach der Passhöhe beim Kilometer 170 von der Strasse abbiegen soll. Ohne den Hinweis hätten wir ihn glatt übersehen, den kleinen Pfad, der uns in einem dreistündigen Fussmarsch vom bezaubernden Regenwald hoch hinauf über die Vegetationsgrenze zu einer knatschgrünen Gletscherlagune, der Quelle des Rio Cascada führt. Tausendsiebenhundert Meter Traumwanderung, die wohl wie so viele wundervolle Plätze an der Carretera in keinem Reiseführer auftaucht.

Regenwald wächst leider nur dort, wo es auch viel regent. Vom Pazifik herkommend laden die supersatten Regenwolken in dieser Region pro Jahr bis zu 3000 mm Niederschlag ab. Unterhalb von Coihaique, dort wo die Strasse eine Schlaufe Richtung Osten einschiebt, nimmt die Niederschlagsmenge dann rapide ab. Balmaceda gehört mit 180 mm schon zur Trockenzone. Mit dem Überschreiten dieser Grenze ändert sich auch die Landschaft. Im südlichen Teil der Carretera weicht der Regenwald vorerst trockenem Pampagras, um dann in eine hochalpine Gebirgslandschaft mit tosenden Wasserfällen und rauschenden Wildbächen überzugehen. So kommen wir in den folgenden Tagen immer öfters in den Genuss von schweisstreibenden Aufstiegen und rauschenden Abfahrten. Bei Vista Hermoso erklettert die Strasse sogar einen 1100 Meter hohen Pass, bevor sie sich in engen Haarnadelkurven ins weite Tal des Cerro Castillo hinunterschlängelt. Wir erreichen diesen Punkt genau in dem Moment, als sich die Wolken vor dem zinnenbewehrten Märchenschlossberg Cerro Castillo heben. Mit seinen zahlreichen Felsnadeln, umspielt von feinen aufsteigenden Nebelschleiern, bietet er uns ein spektakuläres Schauspiel. Eine Region, in der auch Trekker voll auf ihre Kosten kommen und sich die Gebirgswelt Patagoniens unberührter präsentiert, als etwa im touristisch überannten Torres del Paine Nationalpark weiter südlich. Neben dem Cerro Castillo befindet sich auch der Vulkan Hudson in unserer Nähe. Auch wenn wir ihn hinter der angestauten Wolkenwand nur erahnen können, zeigt sich seine Präsenz doch unübersehbar im feinen Staub der von heftigen Winden aufgewirbelten Lavaasche und den abgestorbenen Bäumen weiter hinten im Tal.

Auch unser Zelt geniesst die Strecke. Wilde Campingplätze, nicht nur mit fünf Sternen, sondern mit der ganzen Milchstrasse, die sich als Auszeichnung in den klaren Bergseen spiegelt, schliessen die erlebnisreichen Tage gebührend ab - sofern uns der Regen nicht die Sterne wegwäscht. Im Tal des Rio Murta holt uns eine der gefürchteten Wolkenwände ein und nur mit viel Glück können wir uns vor der totalen Durchnässung in einen Schafstall retten. Der Estancero, welcher dort gerade seine von Neuseeland importierte Schafwaage installiert, lässt sich aber durch uns nicht aus dem Konzept bringen. Ihm ist in dieser Einsamkeit wohl schon Erstaunlicheres passiert, als zwei angeschwemmte Radler unterzubringen. Die Schafe hingegen schauen schon etwas verdutzt, als wir unseren Benzinkocher anwerfen und die Schlafmatten in ihrer Behausung ausrollen. Am Tag darauf schüttet es weiter. Das Wetter hat nach all den sonnigen Tagen wohl das Gefühl, uns zeigen zu müssen, dass die Schönheiten der Carretera auch problemlos für Tage im Grau versinken können. Bis zum nächsten Ort sind es aber glücklicherweise nur einige Kilometer und so verbringen wir ein paar Tage an einem gemütlichen Holzöfelchen im kleinen Villa Tranquilo, am Ufer des Lago General Carrera.
Das ungeduldige Konsultieren des chilenischen Meteoservices an der einzigen Internetstation des Dorfes zeigt schon nach wenigen Tagen Erfolg. Ein harter Südwind bläst den Himmel blank, und bevor wir uns wieder auf die Felgen machen, besuchen wir per Boot die nahen Marmorhöhlen. Das sedimentreiche Wasser des zweitgrössten Sees Südamerikas hat hier über Jahrtausende das steile Ufer ausgeschliffen. Wie eine Kathedrale tronen die Steinbögen vor dem Ufer, umspielt vom türkisgrünen Wasser. Auch ohne dieses Naturwunder ist der Lago General Carrera ein Traum. Der Weg führt eine ganze Weile an seinem aufregenden Ufer entlang. Mit einigen hoch aus dem Fels gesprengten Strecken bietet er uns immer wieder Ausblicke auf die weitverzweigten Buchten, die in den unterschiedlichsten Farbtönen von milchigweiss bis smaragdgrün leuchten.

Wo die Strasse nach Chile Chico zum letzten grösseren Grenzübergang nach Argentinien abzweigt, endet das Schauspiel in der verträumten Bucht Santa Catalina. Von dort fliesst das Wasser des Sees in den langgestreckten Lago Bertrand ab, bevor es sich seinen Weg über den schäumenden Rio Baker ins Meer sucht.
Wie war das doch gleich – je südlicher je kälter? Irgendwann an einem der schweisstreibenden Anstiege, denen wir seit Tagen ausgeliefert sind, stellen wir diese Aussage schwer in Frage. Dass wir seit dem Lago General Carrera die ganze Zeit am Rande des südlichen patagonischen Inlandeises, der grössten zusammenhängenden Eismasse ausserhalb der Antarktis entlangradeln, merken wir nur durch die Ausblicke auf die schneebedeckten Gipfel, die das Eisfeld krönen, und der immer karger werdenden Landschaft. Nachdem wir Cochrane, die letzte grössere Ansiedlung hinter uns gelassen haben, sind wir alleine mit den Bergen, Seen und Gletschern. Eine wilde Landschaft, den Huemules (Andenwild) und einigen Holzfällern überlassen und so ganz anders, als der argentinische Teil Patagoniens. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, stahlblauer Himmel seit Tagen. Von Puerto Yungai setzt uns eine Fähre an den Rio Bravo über. Noch vor fünf Jahren war hier im Strassenbaulager des Militärs die Carretera Austral zu Ende, heute können wir unseren Weg bis Villa O’ Higgins fortsetzen. Auf einer anstrengenden Piste mit zum Teil apfelgrossen Steinen zwar, aber immerhin fahrend. Und was ist schon eine rudimentäre Strasse gegen diese eindrückliche, vom Gletscher zerfurchte Berglandschaft? Archaische Gewalten müssen hier noch vor gar nicht allzulanger Zeit gewirkt und ihre Spuren auf dem harten Fels hinterlassen haben. Das Eis erreicht in dieser Region noch heute fast die Strasse. Irgendwo im Nirgendwo treffen wir auf ein Zeltlager: Trekker, die ihr Basiscamp zur Gletscherexpedition hier eingerichtet haben. Kühl muss es sein über Nacht. Wir sind froh, dass wir weiterfahren können, hinunter an den Lago Cisnes, dem Ende unseres Carreteraabenteuers entgegen.

Obwohl man die Ortschaft vom Aussichtspunkt am See schon von weitem ausmachen kann, ziehen sich die letzten zehn Kilometer der Carretera nochmals gewaltig in die Länge. Es ist, als ob die Strassenbauer über das Ende ihrer unglaublichen Leistung traurig gewesen wären und ein paar Extraschlaufen eingebaut hätten. Dabei ist ihnen offensichtlich der Belag ausgegangen und so mussten sie sich noch einmal gehörig mit Flusskieseln aushelfen. Schade, denn würden wir nicht so durchgeschüttelt, könnten wir uns mit ihnen an den Extrakilometern freuen.
Und dann kommt das Ende: Kein ruhmreiches Denkmal, keine Ehrung all der verunglückten Soldaten, die die Strasse gefordert hat, dafür eine letzte gewaltige Hängebrücke bevor wir das unscheinbare Holzschild eines Dorfes am Ende der Welt erreichen: Villa O’ Higgins.

Von hier soll es nach einer dreistündigen Schiffahrt möglich sein, auf einem Fussweg über den Paso dos Lagunas die Grenze zu passieren und direkt in den argentinischen Nationalpark los Glaciares zum Fitz Roy und dem weltbekannten Perito Morenogletscher zu gelangen. Wir erfahren, dass schon andere Radler diese Strecke "begangen" haben. Abenteuerlich und anstrengend sicher, aber vom örtlichen Expeditionsunternehmen Hielo Sur als "one of the world’s most beautiful border Crossing" betitelt - allerdings nicht mit dem Tourenbike sondern zu Pferd. Lassen wir uns überraschen!

Drei Tage warten wir in O Higgins auf das Schiff von Pirincho, das unsere Reise fortsetzen soll. Jeden Tag statten wir dem Kapitän einen Besuch ab, werden freundlich zum Mate eingeladen, und immer lautet die Antwort: «¡Mañana a las dos!» So offensichtlich wie hier haben wir die «Morgen-Morgen»-Mentalität von Südamerika noch nie erlebt. Doch wir verstehen’s: Es schüttet ja auch die ganze Zeit und eigentlich ist es uns gerade recht bei solchem Wetter gemütlich hinter einem Buch verschanzt in der Ortsbibliothek zu sitzen. Wir sind auch nicht traurig, noch einige Tage im Hospedaje «Carretera Austral» bleiben zu dürfen und uns von Sonja mit feinem Essen verwöhnen zu lassen. Zwar sind die Tomaten seit Tagen alle und der Versorgungsflieger nimmt es gemütlich wie unser Fährmann, aber Sonja schafft es immer, etwas Feines auf den Tisch zu bringen. Unsere seit Wochen bröckelnden vegetarischen Manieren werden uns durch die deftige chilenische Kost allerdings gänzlich ausgetrieben, spätestens als wir am letzten Abend unser erstes richtiges «Asado» (eine halbe geröstete Kuh) verdrücken. So hätten wir uns wohl noch zu echten Chilenen gemausert, wenn nicht am nächsten Tag die Sonne durch die Wolken gebrochen wäre, das Startzeichen für Pirincho doch endlich seinen Anker zu lichten.

Auf dem Lago O’ Higgins tuckern wir die chilenisch-argentinische Grenze hinunter, vorbei an bizarren Felsformationen und treibenden Eisbergen. Eine karge, lebensfeindliche Landschaft, und dennoch wohnen Leute hier. Bei einer der Estancias, direkt neben der Gletscherzunge des Ventisqueros Chico legen wir an, um eine verunfallte Frau aufzuladen. Wie lange sie hier wohl schon auf Hilfe wartet? Wir wissen es nicht. Es ist schon dunkel, als uns das Boot in Candelario Mansilla an Land spuckt, dem Ausgangspunkt zu unserer gewagten Grenzüberquerung.

Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln uns aus dem Zelt und ein harter Aufstieg auf einer grob geschotterten Piste reisst uns hammerhart aus den Träumen. Den Ausreisestempel der Chilenen gabs schon zum Frühstück und bald glitzert der See weit unter uns. Wir kommen besser voran als erwartet und als wir die Passhöhe erreichen, taucht er urplötzlich vor uns auf: Der Monte Fitz Roy. Gewaltige Granittürme, mit denen der Königsberg den Ausgang des idyllischen Hochtals versperrt. Gekrönt von einer weissen Haube unter einem stahlblauen Himmel - ein berauschendes Panorama.

Irgendwann um die Mittagszeit erreichen wir den chilenisch-argentinischen Grenzstein. Auch ohne das protzige Schild «Bienvenidos en la republica de Argentina», das da mitten in der Wildnis steht, wäre es für uns unübersehbar gewesen, wo die Staatsgrenze verläuft. Schlagartig endet die Piste, ein schmaler, morastiger Pferdetrail führt weiter durchs Dickicht. Sechs Stunden benötigen wir für die nächsten sechs Kilometer. Immer wieder stehen wir fluchend bis zu den Knien im Sumpf. Ein herzliches Willkommensgeschenk für alle, die auf diesem Weg einreisen. Ein offensichtlicher Konkurrenzkampf, denn wäre die Durchreise zum Fitz Roy ohne Schikanen möglich, würde die Carretera Austral der argentinischen Ruta 40 den Rang ablaufen - und das wollen die Argentinier mit allen Mitteln vereiteln. Ein kindisches Spielchen, dem wir schon öfters begegnet sind, doch nie so unverfroren wie hier. Vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir erschöpft den Lago del Desierto. Nur der Zeltplatz mit Ausblick auf den sich spiegelnden Fitz Roy im Abendlicht, den uns die Zöllner zuweisen, kann uns jetzt noch mit Argentinien versöhnen.

Die Einfahrt in El Chalten fegt die Idylle des Vorabends weg. Es scheint, als hätte der Berg zwei Gesichter. Wie eine Staumauer stützt er sich auf dieser Seite gegen den Ansturm der Touristen, um hinter seinem Rücken das ursprüngliche Patagonien zu bewahren. Wie lange ihm das wohl noch gelingen wird? Wir klammern uns an die Erlebnisse der letzten Wochen, um nicht gleich in den Staubwolken der Touristenbusse zu ersticken. Nach einem wolkenverhangenen Tag auf ausgelatschten Wanderwegen sind wir uns einig: Wir haben einen Fehler begangen, uns die schwerer zugänglichen Gletscher an der Carretera nicht erarbeitet zu haben, denn hätten wir sie gesehen, würden wir unsere Räder schleunigst bis Puerto Natales in den Bus verladen, um den Hotspots Patagoniens zu entkommen. Dabei ist die Hauptsaison erst im Januar/Februar. Das allerdings muss sich herumgesprochen haben und so sind alle schon im November gekommen. Klar, wer reist heute schon in der Hauptsaison! Wir packen schnell unsere Sachen um in Richtung Calafate weiterzuradeln, wohl wissend, dass uns am Perito Moreno der gleiche Rummel erwartet.

Nicht nur die Touristen hält der Fitz Roy auf, sondern auch den Regen. Wie abgeschnitten weichen die grünen Wälder und die gurgelnden Bäche trockener, öder Graslandschaft. Wir sind darauf überhaupt nicht vorbereitet. Schon nach achzig Kilometer packt uns der Pampablues.
Wiederum fahren wir ins Leere, wie das Nichts in Michael Endes Unendlicher Geschichte breitet es sich aus, durch jeden Kilometer, den wir hineinfahren grösser werdend, während wir zu schrumpfen scheinen. Pampa heisst auch Wind, das volle Programm. Dass es sich hier um Steppengras, anstatt Buschland handelt, macht für uns keinen Unterschied. Die zahlreichen Nandus, patagonische Turbosträusse machen es uns vor: Die Landschaft erträgt nur, wer Gas gibt. Wir schauen es ihnen ab und schaffen die 220 Kilometer nach El Calafate in eineinhalb Tagen.

Von dort fahren wir per Bus zum Perito Moreno Gletscher, zusammen mit den vielen anderen Schaulustigen, die sich hier eingefunden haben. Starten wir unseren Ausflug auch bei blauem Himmel und Sonnenschein, so erleben wir den Gletscher selber bei Sturm und Schneefall, was unsere getrübte Stimmung der letzten Tage nicht gerade aufzuhellen vermag.
In El Calafate erfahren wir dann auch, dass der direkte Grenzübergang nach Puerto Natales in Chile nicht geöffnet ist. Für uns bedeutet das dreihundert Kilometer Umweg durch die Pampa. Wir beschliessen gleich den Bus zu nehmen - leichter gesagt, als getan. Alle Busse in diese Richtung sind bis auf eine Woche belegt. Hätten wir uns doch denken können, an einem Ort, wo man sogar die Pizzeria eine Stunde zum Voraus bucht. Uns bleibt nichts anderes übrig, als selber loszufahren, doch den Daumen zum Autostopp montieren wir uns gleich neben dem Rückspiegel. Das Glück scheint uns doch nicht ganz verlassen zu haben. Zwei Drittel der Strecke können wir per Anhalter zurücklegen. Eine grosse Strecke davon auf dem Pickup von deutschen Touristen, die noch gleich einen Abstecher zu den Torres del Paine einschieben. So kommen wir wider Erwarten sogar in den Anblick der berühmten Hörner. Obwohl wir ihnen so nah sind, wandern wollen wir hier nicht. Eindrückliche Berglandschaften haben wir auf der Carretera Austral erlebt, mit der für Patagonien so typischen Einsamkeit fest in unserer Erinnerung verankert. Uns steht nicht im Sinn, jetzt hier mit all den Trekkern um die Wette zu laufen.

Am Abend erreichen wir Puerto Natales mit einem etwas höheren Tempo als gewohnt. Von hier werden wir mit dem Schiff durch die chilenische Fiordlandschaft zurück nach Puerto Montt schippern. Ushuaia, «la ciudad mas austral del mundo» überlassen wir all den Leuten, die jetzt hier sind und mit Bestimmtheit dort Weihnachten feiern gehen. Wir haben Patagonien erlebt, und nur um sagen zu können, dass wir am Ende der Welt gestanden sind und dabei all unsere Bilder dieses Landes unter dem Ansturm der Touristen aufgeben zu müssen, ist es uns nicht wert.
Mit dieser Gewissheit rasen wir am Ortsschild von Natales vorbei und der Gedanke verpasst uns eine Gänsehaut: Wir sind am südlichsten Punkt unserer Reise angelangt. Von nun an fahren wir nordwärts.

22. November 2005 - 6500 Kilometer